Frauen vom “Alten Typ” versus Frauen vom “Neuen Typ”

Hat Ihre Freundin vielleicht lange Haare? Ja? Wirklich? Oh je…

Ich kenne sie zwar nicht, kann Ihnen aber genau sagen, was von ihrer Freundin vom “Neuen Typ” zu halten ist:
- Sie ist ein Modepüppchen.
- Sie verbringt unnötigerweise mehrere Stunden täglich zur Fellpflege (pardon: Haarpflege) im Bad. Ständig leidet sie unter Ziepen und Haken, Die Haare sind dauerverfilzt.
- Sie verbringt ein Leben voller Angst und gerät permanent in Panik. Dazu reicht bereits das Knistern eines Kaugummipapiers.
- Möglicherweise herrschte in ihrer Familie Inzucht.
- Sie ist ständig krank und leidet unter allen möglichen Erbkrankheiten.
- Sie leidet an Fell- (pardon: Haar-) Mutationen
- Sie kann kaum laufen – jeder Schritt ist für sie eine Qual. Plattfüße und Buckeligkeit sind die Folgen.
- Sie ist scheu und introvertiert.
- Sie ist stressanfällig und aggressiv. Wahrscheinlich eine Folge ihrer nicht mehr richtig funktionierenden Nieren/Nebennieren und kranken Schilddrüse
- Mit ihrer Intelligenz ist es auch nicht weit her.
- Eigeninitiative? Fehlanzeige!
- Sie ist unterwürfig und devot.
- Sie ist wesenschwach.

Woher ich das weiß? ALL DAS IST LEDIGLICH DIE FOLGE IHRER UNNATÜRLICH LANGEN HAARE, MIT DENEN SIE SICH STÄNDIG RUMQUÄLEN MUSS!

Mein Rat: Trennen Sie sich. Suchen sie sich eine Andere. Eine Frau vom “Alten Typ”. Eine mit kurzen Haaren. Denn kurze Haare stehen für:
- Gesundheit. Erbkrankheiten und Inzucht können erst gar nicht auftreten. Keine Buckeligkeit, keine Plattfüße, Kerngesund: ein “Naturweib” eben.
- Kraft und Ausdauer.
- Mehr Spaß zu zweit statt Einschließen im Bad.
- Pflegeleicht: beim Pagenschnitt reicht einmal überkämmen.
- Extrovertiert, kommunikationsfreudig und gesellig.
- Belastbarkeit und starke Persönlichkeit.

KURZ: FRAUEN VOM ALTEN TYP SIND VITALER, DENN SIE HABEN EINE NATÜRLICHE HAARLÄNGE!

Sie werden in Deutschland nicht fündig? Die Frauen sind alle zu “zickig”(oder zu emanzipiert)? Dann suchen Sie doch da, wo es noch Frauen vom “alten Typ” gibt und bemühen eine polnische oder russische Partnervermittlungsagentur. Schließlich sind da Frauen noch natürlich, ursprünglich, haben alle kurze Haare und sind auch sonst eher “pflegeleicht”.

Sie meinen, das war alles etwas sehr an den Haaren herbeigezogen?

Ist Ihr Beardie vom alten oder vom neuen Typ?

Mit dieser Frage muss man sich gelegentlich rumschlagen, wenn man bei Ausstellungen auf potenzielle neue Beardie-Besitzer trifft, die sich – erfreulicherweise – VOR dem Kauf Gedanken darüber machen, ob die anvisierte Hunderasse auch tatsächlich zu ihnen passt.

Die Kategorisierung ist dabei bewusst einfach gehalten:
- “Beardies vom Alten Typ” haben kurze Haare, sind daher kerngesund, nicht ängstlich oder aggressiv und vollkommen wesensfest.
- “Beardies vom neuen Typ” sind typische Show- und Modehunde, haben lange Haare und sind daher erbkrank, ängstlich, aggressiv und wesensschwach.

So jedenfalls lautet die Grob-Einteilung durch einen kleinen, nicht eindeutig zuordenbaren Zirkel, der sich der “Rettung” des “Beardies vom Alten Typ” verschrieben hat, nachzulesen über die Webseiten beardie-special.de bzw. beardedcollie.de. Aus irgendeinem Grund erinnert mich dies stark an die Erlebnisse von Gulliver auf Liliput und die Glaubensfrage, ob das Frühstücksei nun am spitzen Ende oder am runden Ende aufgeschlagen gehört.

Glücklicherweise weiß der interessierte Leser sicherlich bereits, dass diese Art der glaubensartigen Kategorisierung (besser gesagt: des kläglichen Versuchs einer Kategorisierung) zu kurz greift. Es gibt unzählige Merkmale und genetische Konstellationen, die man nicht einfach mal so auf ein einziges Rassemerkmal – zumal noch dem unwichtigsten – wie kurzes Haar=gut, langes Haar=schlecht runterbrechen und darüber die gesamte Rasse definieren kann.

Was ist nun dran am Unterschied zwischen “Beardie vom alten Typ” und “Beardie vom neuen Typ”? Im Grunde – überhaupt nichts. Es ist eine reine Erfindung (jetzt hätte ich beinahe “interessierter Kreise” geschrieben). Eine Erfindung wie die “Piemont Kirsche” oder “Actiregularis(R)-Kulturen”. Wahlweise auch des Fegefeuers (Le Goff).

Und genau das werde ich am Wochenende wieder einmal interessierten potenziellen Beardie-Besitzern erklären müssen.

(Copyright Jens Spitz)

http://www.beardie-blog.silverfluff.de/